Panel 6: Experiment 2015|Die Musikindustrie und ihre Zukunftsmodelle

Musikindustrie der Zukunft auf individuelle Hörerbedürfnisse ausgerichtet - Manager spielen Zukunftsmodelle der Branche durch.

 

Wie wird die Musikindustrie der Zukunft aussehen? Wird es künftig noch Plattenfirmen geben? Welche Rolle wird der Rundfunk spielen? Diese Fragen versuchten sechs führende Köpfe der Entertainmentindustrie am Donnerstag in Halle auf dem Zukunftskongress zu beantworten. Sie unterzogen sich dem Experiment eines "commercial war games", eines Strategiespiels mit verteilten Rollen, um die Zukunft der Musikbranche zu visualisieren.

Zukunftsforscher Dr. Karlheinz Steinmüller gab als Einstiegsszenario eine Zukunft vor, in der Urheberrechte durch neue Technologien ausgehebelt sind und Musik wie Leitungswasser für alle Konsumenten frei verfügbar ist.

"Gerade in einer Zeit, in der alles frei verfügbar ist, werden Rundfunksender immer wichtiger, da sie quasi eine Beraterfunktion einnehmen," sagte Petra Husemann-Renner von motor.de.
Diese Meinung teilt auch Michael Schiewack, Programmchef von Jump und Sputnik. "Auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender müssen erreichen, als Marken wahrgenommen zu werden, über die sich Menschen identifizieren können." Dabei werde der Bekanntheitsgrad zusehend wichtiger. Dagegen würden die Plattenfirmen in der Zukunft keine große Rolle mehr spielen - schon jetzt kommunizierten immer mehr Sender direkt mit den Künstlern. "Die Künstler werden zu eigenen mittelständischen Entertainmentfirmen mit Distributionspartnerschaften", so auch Dieter Gorny, Executive Vice President MTV Networks Europe.

Einig waren sich die Spielteilnehmer darin, dass das Geschäft der Zukunft auf die individuellen Bedürfnisse der Konsumenten zugeschnitten sein wird. "Wir arbeiten schon jetzt an der Entwicklung intelligenter Systeme, die für jeden User ein persönliches Profil erstellen", sagte Sebastian Purps, Senior Manager Global Music bei Ericsson. Eine der größten Aufgaben bestehe in der Standardisierung der Technologien und der zukünftigen Rechteverteilung. Eine weitere Herausforderung sei ausserdem die Verbreitung der Musik und damit die Bereitstellung entsprechender Endgeräte, betonte Uwe Schnepf von Tiscali.

Oliver Stollbrok von der Modefirma Rosner, die unter anderem eine mp3-integrierte Jacke entwickelte, hob die Berührungspunkte zwischen Musik- und Modebranche hervor. "Die Mode wird auch zukünftig ein Kommunikator für Musik sein. Rosner will in diesem Bereich verstärkt Partnerschaften und Vernetzungen anstreben."