Panel 3: Kino 2015|Vom Ende der rechteckigen Leinwand |Die Binnenausstattung der digitalen Filmwelt

Vielfältige Visionen für die Zukunft des Kinos entwickelte das hochkarätig besetzte Panel "Kino 2015" auf dem forward2business-Zukunftskongress 2005. Margo Langford vom kanadischen Unternehmen Cineclix präsentierte zunächst ihre Ideen zum digitalen Vertrieb von unabhängigen Filmproduktionen über Video On Demand. Die Aussichten dafür stehen nach Ansicht von Langford derzeit sehr gut, weil die Kunden immer mehr nach Abwechslung suchten: "Man ist nicht mehr anders oder subversiv, wenn man mehr Auswahl möchte, sondern einzigartig."

"Traditionelle Suchmaschinen versagen hoffnungslos bei Filmen"
Um den digitalen Filmdownloads zum Erfolg zu verhelfen, gelte es jedoch einiges zu beachten, so Langford. Vor allem müssten die Kunden Auswahl haben: Sie müssten sich entscheiden können, welche Filme sie sehen wollten, wo das passieren solle und wie sie die Angebote würden. Dazu müsse eine schnelle Downloadmöglichkeit kommen - schließlich wollten die Mitglieder der "Download Generation" nicht mehr warten. Außerdem müssten die Inhalte einfach im Netz zu finden und zu kaufen sein: "Traditionelle Suchmaschinen versagen hoffnungslos, wenn es darum geht, Filme zu finden".

Hier habe ihr Unternehmen angesetzt, so Langford. "Wir haben den ultimativen Kinoführer kreiert". Das Angebot, das diesen Sommer online gehen solle, bündele Kommentare von Freunden und Bekannten der Nutzer mit denen bekannter Regisseure, Kritiker oder Schauspieler. Wo es möglich sei, werde der Kinoführer auch Möglichkeiten zum Kauf oder Download der Filme anbieten.

"Dagegen ist die Allianz-Arena vollkommen altmodisch."
In einer zweiten Präsentation stellte Harald Singer von der ag4 mediatecture company Ideen vor, wie Film und Architektur verschmelzen können. So präsentierte Singer eine transparente Medienfassade, die sein Unternehmen am Hauptsitz von T-Mobile in Bonn angebracht hat. Auf einer Fläche von 30 mal 10 Metern leuchten darin 245.000 LEDs. Nach außen hin funktioniert die Mediafassade wie eine riesige Filmleinwand, nach innen hingegen sieht man nichts: Die Angestellten in den Büros werden nicht gestört. "Für die Bewohner innen bleibt es ein Glaspalast, für die Menschen außen ist es ein großes Medium", erklärte Singer. "Das Gebäude wird zum riesigen Kino".

Wegen der großen Zahl der Farben, der Transparenz nach außen und der Möglichkeit das Gebäude auch am Tag zu illuminieren sei die Medienfassade auch deutlich attraktiver als existierende Lösungen: "Dagegen ist die Allianz-Arena vollkommen altmodisch." Dabei sei es jedoch wichtig, Inhalte speziell für die Medienfassade bereitzustellen: "Wir wollen nicht, dass die Medienfassade nur ein großer Werbescreen wird". Vielmehr gehe es um eine "kommunikative Schnittstelle zwischen innen und außen".

Singer präsentierte außerdem ein weiteres Konzept, das so genannte Immersive Cinema. Das sind spezielle Kinos, die eine 360 Grad Projektion erlauben. "Wir verlassen die Guckkastenbühne wie wir sie aus dem Fernsehen und Kino kennen", zeigte sich Singer sicher. Ein erster Kurzspielfilm "R&J" nach "Romeo und Julia" von William Shakespeare sei bereits für das Immersive Cinema Produziert worden


"Das 3-D-Kino ist die Zukunft"
Ein anderes revolutionäres Konzept für das Kino der Zukunft stellte Stephan Otte von der Firma X3D Tech Jena schließlich in der dritten Präsentation des Panels auf dem Zukunftskongress 2005 in Halle vor: "Das 3-D-Kino ist die Zukunft". Sein Unternehmen hat eine Technologie zur Anzeige von 3-D-Inhalten im Fernseh- und Kinobereich entwickelt - und zwar ohne spezielle Brillen. Ein spektakulärer Prototyp wird gegenwärtig auf der World EXPO 2005 in Aichi, Japan, im Japanischen Pavillon gezeigt und nach Schließung der Ausstellung im Japanischen Museum für aufstrebende Technologien und Innovation in Tokio installiert.

Nun müssten spezielle Inhalte für das Anzeigesystem entwickelt werden: "Wir haben das Anzeigemedium. Bei der Content-Herstellung und der Übertragung müsste sich noch einiges tun." Attraktiv sei das System nicht zuletzt auch für die Werbeindustrie, wo 3-D-Werbebildschirme zum Blickfang in Supermärkten werden könnten. Schon in absehbarer Zeit werde das System auch für Kinos attraktiv werden. Bereits jetzt biete sein Unternehmen eine Anzeigefläche im Format 4 mal 2,25 Meter an, die von kleineren Kinos genutzt werden könnte, sagte Otte.