Panel 1: Science Fiction für die Entertainmentbranche

 

Internet und Mobilfunk werden in den nächsten Jahren untrennbar miteinander verschmelzen, die Filmbranche und der Gamesbereich kaum noch voneinander zu trennen sein, alle Daten sind immer und überall verfügbar - die Grenzen, die heute zwischen den verschiedenen Bereichen der Entertainmentbranche bestehen, werden im nächsten Jahrzehnt verschwimmen.

 

Diese Vision der Zukunftsgesellschaft schilderte Science-Fiction-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller am ersten Tag des vierten Zukunftskongresses in Halle (Saale).

 

Die Branche wird sich verändern und künftig in ganz anderen Sphären stattfinden, so skizziert Steinmüller die Zukunft der Entertainmentindustrie. Steinmüller ist Zukunftsforscher und einer der bekanntesten deutschen Science-Fiction-Autoren. Die Arbeit als Autor habe ihm schon oft geholfen, die realen Entwicklungstrends in der Entertainmentbranche zu entdecken. "Vieles von dem was ich angekündigt habe hat Anknüpfungspunkte in der Realität." So ist er sich auch sicher, dass sich das eigene Heim nach und nach zur Illusionsbühne entwickeln wird. Alles wird dann vernetzt sein, "die Wände sind Bildschirme, die als Meterware über die Wände geklebt werden", so Steinmüller.

 

Neben Steinmüller warf Dr. Gilbert Heise, Trendforscher bei der Volkswagen AG, einen Blick in die Zukunftsmodelle der Entertainmentbranche. Er sieht die Branche vor allem angesichts der "Anspruchsinflation" der Gesellschaft immer stärker unter Zugzwang gesetzt. Anspruchsinflation, das beinhaltet für Heise, dass der Konsument immer mehr Ansprüche an ein Produkt hat. "Man kann es fast mit einem Überraschungsei vergleichen: Was Neues soll es sein, Genuss soll es bringen, ein bisschen Spannung und vor allem billig soll es sein", so Heise, "der Kunde erwartet inzwischen, dass ihm eine Firma jeden Wunsch von den Augen abliest".

 

Abzeichnen würde sich in der Zukunft auch eine "Global-Cheap-Mentalität". Da Produkte mit hohem Wert inzwischen relativ erschwinglich seien, wolle auch die kaufkräftige Klientel immer mehr Rabatte haben. "Die mittlere Angebotswelt wird verschwinden", prophezeit Heise, "unten wird es einen Preiskampf geben und oben den Druck nach immer neueren Innovationen."

 

Vor allem Virtualität wird für die Entertainmenbranche an Bedeutung zunehmen, erklärte Prof. Jaqueline Otten von der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Gerade im Bereich der digitalen Mode gehe es zunehmend um die Codierung und Interaktion zwischen Mensch und Maschinen. Sie sieht die immer stärkere Verschmelzung zwischen Körpern und Technologien, bei der aber besonders die emotionale Komponente eine Rolle spiele.

 

Auch wenn die Technologien in der Entertainmentbranche sich beinahe Tag für Tag weiter entwickeln - der menschliche Körper geht diesen Trend nicht mit. Selbst in hundert Jahren wird es trotz riesiger Fortschritte im Bereich der plastischen Chrirurgie kein von Technologien entwickeltes Einheitsgesicht geben. Dieser Auffassung ist Dr. Thomas Nitzsche, Schönheitschirurg in der Leipziger Klinik am Rosenthal. Zwar wird es in einigen Jahrzehnten eine "schöne Gesellschaft" geben, da sich die Menschen jedoch immer voneinander abgrenzen wollen, befürchtet er keine menschliche Vereinheitlichung.

 

Beim Zukunftskongress debattieren rund 150 führende Köpfe der Entertainmentbranche für künftige Visionen und neue Geschäftsmodelle. Hier treffen die Vordenker der Musik-, Film- und Medienbranche auf die Entwickler der Computer-, Telekommunikations-, Automobil- und Fashionindustrie, genauso wie auf Designer, Architekten, Wissenschaftler und Schönheitschirurgen.