Themen Zukunftskongress 2011


2021: Generation Unsicherheit - Geschäftsmodelle für eine Welt im Veränderungsstress

Noch ist es bei vielen nur eine Ahnung, bald wird es Gewissheit sein: Die Unsicherheit, die mit 9/11 und später mit der Wirtschaftskrise in unseren Alltag eingezogen ist, wird nicht wieder verschwinden. Viel-mehr wird sie unser Leben und unsere Arbeit in den kommenden Jahren bestimmen. Wir werden diese Unsicherheit akzeptieren müssen! Das Ergebnis: So wie die vergangenen 60 Jahre und deren "Lebenslogik des unendlichen Wachstums" durch den zentralen Wert der "Sicherheit" geprägt waren, so zentral wird für die kommenden Jahre die "Ökonomie der Unsicherheit" sein. Oder einfacher gesagt: Unsicherheit zur Basis für Geschäftsmodelle und Gesellschaftsmodelle der Zukunft.

Der 10. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks debattierte entlang der beiden großen Grundwahrheiten, die in den kommenden Jahren zu neuen Geschäftsmodellen in Produktion, Marketing und Vertrieb führen werden. Unsere Welt wird chinesisch! und Wir werden Technologie mehr vertrauen als Menschen! Beides wird Wirtschaft und Gesellschaft tiefgreifenden verändern und die "Ökonomie der Unsicherheit" prägen.

Dabei ist die reale Welt natürlich nicht unsicherer als früher. Doch wir empfinden es so. "WIR" ist die "Generation Schirrmacher", die Generation 40+ die aktuell die Themen in Medien, Wirtschaft und Politik bestimmen. Es ist jene Generation, die ihr bisheriges Leben als planbar und voraussehbar wahrgenommen hat und nun erkennt, dass diese Prognosefähigkeit  verloren geht. Es ist jene Generation die es nicht schafft, die neue Geopolitik und die neuen Technologien so zu verstehen, dass sie ihre Werte und Traditionen für jüngere Generationen verständlich übersetzen könnte. Diese gedankliche Unfähigkeit kennen wir bereits! Erinnern wir uns an Lessing, die Aufklärung und deren Aha-Effekt beim Erkennen, dass die Welt doch nicht so ist, wie bisher gedacht. Doch genau wie damals ... auch heute wird unsere Angst den Fortschritt der Welt nicht aufhalten!

Unsere Welt wird chinesisch!
Wir brauchen keine Trendforscher um zu prognostizieren, dass die globalen Kräfteverhältnisse sich in den kommenden Jahren ändern. 2021 ist China die Weltmacht Nr. 1, sowohl Technologie- als auch Innovationsführer. Bei Optimisten streitet Europa mit den USA um Rang 2. Pessimisten sehen uns hinter den USA mit den BRIC-Staaten um Platz 3 ringen. Soweit so gut. Doch daraus entstehen die Fragen: Wird sich China in den kommenden Jahren ebenso gebärden wie die entwickelte Welt in den vergangenen 100 Jahren? Werden die Chinesen unseren Lebensstil übernehmen? Dann wird es schlimm! Ein solcher Ressourcenverbrauch würde die Welt binnen kurzer Zeit zu irreparablen Schäden führen. Oder wird China aufgeklärter handeln als wir? Werden die Chinesen unseren Konsumismus umgehen? Dann wird es genauso schlimm! Denn dann schwindet der größte Markt für unsere auf stetigem Wachstum bestehende Exportwirtschaft. Nach welchen Regeln wird unsere chinesierte Welt funktionieren? Werden Kollektive wichtiger als Individuen? Werden feste Bindungen wichtiger als Selbstverwirklichung? Entsteht das neue Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft durch viele Gleiche statt wenige Eliten? Siegt der Wert der Gleichheit über die Freiheit? ... und wie ändert das Ihre Geschäftsmodelle in Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb?

Wir werden Technologie mehr vertrauen als Menschen!
Noch mehr als die Chinesierung der Welt, werden unsere alltäglichen Lebenswelten vor allem durch eine bislang kaum gekannte Unsicherheit des alltäglichen Lebens geprägt. Waren es in der fordistischen Wachstumswelt eine Vielzahl fester Bindungen an Menschen, Unternehmen und Vereine, die den persönlichen Lebensrhythmus berechenbar gemacht haben, so wird diese bisherige Normalbiographie in der Digitalisierung gestört. Die Bindungen lösen sich auf. Ersatz scheint nicht in Sicht. Und langsam verstehen wir, dass unser Streben nach der viel beschworenen Wissensgesellschaft an ein Ende kommt. Wir stehen vor der Erkenntnis, dass unser von Goethe sehr faustisch beschriebenes Streben nach immer mehr Wissen "was die Welt im Innersten zusammen hält" völlig nutzlos ist. Wir haben uns eine Komplexität erschaffen, die die menschliche Kapazität übersteigt. Sie ist nur noch mit Technologie zu beherrschen. "Die Geister die ich rief, wird ich nicht mehr los!" Oder einfacher gesagt: Schon heute sind Maschinen klüger als Menschen! Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir Technologie mehr vertrauen als Menschen!

Das Schöne daran: Dies ist nicht so apokalyptisch, wie uns unsere durch Science-Fiction-Filme geprägte Zukunftsangst weismachen will. Vielmehr leben wir bereits damit: Jene 70% Internetnutzer und 25% Smartphone-Besitzer in Deutschland haben bereits begonnen ihren Maschinen mehr zu vertrauen als den bisherigen Autoritäten unserer Massenwirtschaft! Handys geben uns bessere Informationen als Reiseführer, Handys verstehen unsere Bedürfnisse besser als Markenhersteller, Handys bringen uns eine intelligentere Auswahl als Fachverkäufer. Ob im Supermarkt oder Reisebüro, vor dem Fernseher oder im Kino, am Arbeitsplatz oder in der Schule ... keine unserer Bindungen ist mehr von Dauer. Eine neue Endlichkeit bestimmt unsere Vorstellung vom Leben. Sie sorgt dafür, dass es kaum noch verlässliche Prognosen gibt: Arbeiten Sie im kommenden Jahr noch in Ihrer Firma? Kaufen Sie demnächst wieder die gleiche Automarke? Wählen Sie wieder dieselbe Partei? ... und wie ändert das Ihre Geschäftsmodelle in Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb?

Prognosen gegen die Unsicherheit
Diese mangelnde Prognosefähigkeit wird im Jahr 2021 alle Bereiche der Lebenswelten der Menschen prägen, von der wachsenden Komplexität der Technologien und des Alltags, über die Schwächen sozialer Sicherungssysteme bis hin zur Frage der Zukunftsfähigkeit Deutschlands im Zeitalter einer von Chimerika neu geprägten Weltwirtschaft. Wie müssen Unternehmen reagieren? Welche Strategien in Innovation, Marketing und Personalführung wandeln sich? Der 10. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks hat die Trends dieser neuen "Ökonomie der Unsicherheit" untersucht! Er hat gemeinsam mit Top-Managern, Zukunfts-Köpfen verschiedener Branchen, Trendforschern, Extrem-Lead-Usern aber auch Politikern, Historikern und Bischöfen jene Geschäftsmodelle prognostiziert, mit denen die Unternehmen adäquat reagieren und Risiken in Geschäftschancen verwandeln.