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Trendanalyse: Welche Geschäfte und Prozesse wird es 2020 nicht mehr geben?

Der 2b AHEAD ThinkTank hat schon lange nicht mehr so viele Reaktionen auf eine unserer Trendanalysen bekommen, wie vor drei Wochen als ich die ersten Ergebnisse unsere Trendumfrage: "Welche Technologien wird es 2020 nicht mehr geben?" veröffentlicht hatte. Offenbar stimmt die These, dass die meisten Entwicklungen in unseren Unternehmen nicht durch das Erkennen neuer Chancen, sondern durch die Gefahr des Untergangs angestoßen werden.

Aus diesem Grund möchte ich den Lesern unserer Trendanalysen den zweiten Teil jener Umfrage nicht vorenthalten. Ich hatte bei unserem vergangenen 9. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks die teilnehmenden 200 Innovationschefs nicht nur danach gefragt, welche Technologien es im Jahr 2020 nicht mehr geben wird. Sondern ich hatte auch nach den verschwindenden Geschäftsmodellen und Prozessen gefragt.

In einem interaktiven World-Café-Format wurden während des Zukunftskongresses diese Prognosen gesammelt und debattiert. In einer zweiten Umfragerunde habe ich die Nutzer der iPhone-App des ThinkTanks nochmals um eine qualitative Bewertung gebeten.

Heute stelle ich Ihnen die Ergebnisse des zweiten Umfrageteils vor. Lesen Sie in der heutigen Trendanalyse, warum es 2020 unter anderem keine Kaufhäuser, keine Reisebüros, keine Zählerableser, keinen Videoverleih, keine Firmentreue, kein festes Renteneintrittsalter mehr geben könnte. Und lesen Sie vor allem, welche Konsequenzen dies für Ihre Geschäftsmodelle haben wird, welche Risiken aber auch welche Chancen entstehen.

Platz 1: Zählerableser (60%)

Auf dem vergangenen 9. Zukunftskongress des 2b AHEAD Think-Tanks haben wir den Future Award für das "innovativste Geschäftsmodell" an den Gründer von Discovergy vergeben. Sein Konzept war ein intelligenter Stromzähler, der den laufenden Verbrauch automatisch analysiert und jederzeit vom Kunden online eingesehen werden kann. Einzeln untersucht das System, wann und welche Geräte Strom verbrauchen...vom Kühlschrank über die Nachttischlampe bis hin zum Plasma-TV. In Kombination mit einem Vergleichsüberblick über die aktuellen bundesweiten Stromtarife bringen solche Anwendungen ein Sparpotential für die Nutzer und eine exakte Verbrauchsübersicht für die Stromanbieter. 

Künftig werden solche intelligente Stromzähler mit digitaler Smart Meter Technologie den Zählerableser, der ins Haus kommt, ablösen. Wenn er überhaupt noch kommt, da in vielen Haushalten der Stand des Zählers vom Besitzer persönlich abgelesen werden muss und dann per Mail oder Telefon an den Anbieter übermittelt wird. Rund 60 Prozent aller Umfrageeilnehmer sind sich sicher, dass der digitale Zähler in 10 Jahren das momentane Verfahren ablösen wird.

Konsequenz ist, dass der Verbrauch von Commodities für den Kunden transparent wird und er die Steuerungshoheit darüber selbst in die Hand bekommt. Er kann damit ökonomisch umgehen! Im einfachsten Fall kann er Verbrauche einsparen. Er kann aber auch zum Broker werden, der selbst produziert, einkauft und wieder verkauft. Dafür wird es Zielgruppen und Geschäftsmodelle geben.

Bedrängt wird durch diesen Trend die Hoheit der bisherigen "Versorgerunternehmen", die zumeist aus ehemaligen Monopolistenmärkten kommen.

Neu ins Spiel kommen Unternehmen aus dem IT-Sektor, die keinerlei "Versorger"-Expertise haben, aber die Software des intelligenten Zählers zur Verfügung stellen. Sie sitzen künftig an der strategisch wichtigen Stelle, an der der Verbrauch des Kunden ausgewertet wird. Aufgrund dieser strategischen Stärke können sie neue Geschäftsmodelle forcieren, seien es Systeme, deren Verbrauch sich automatisch steuern lässt, sei es Beratung oder andere Zusatzprodukte.

Platz 2: Lebenslang in einer Firma (59%)

Von der Ausbildung bis zum Renteneintritt im gleichen Unternehmen zu verbleiben wird in Zukunft nicht mehr zum Standard gehören. Das liegt u.a. daran, dass sich die vorhandene Industrie-/Angestelltenkultur im kommenden Jahrzehnt wandelt. Im Jahr 2020 werden Projektarbeiter, Jobnomaden und Patchwork-Biografien das Bild der Arbeitswelt prägen.

Der Anteil jener Menschen, die in befristeten Verträgen arbeiten, wird in den kommenden Jahren deutlich auf bis zu 40% der arbeitenden Bevölkerung ansteigen.

Die Folge ist eine neue Generation der Projektarbeiter, die ihr Arbeitsleben nicht mehr als lineare Karriere innerhalb eines Unternehmens verstehen, sondern die gewohnt sind in Projekten zu arbeiten. Jedes Projekt hatte einen Anfang und ein Ende, ein unterschiedliches Ziel und einen anderen Weg, den das Projektteam gehen musste, um dieses Ziel zu erreichen. Jedes Projektteam besteht außerdem aus unterschiedlichen Personen, die motiviert und koordiniert zusammen arbeiten und Verantwortung für ihren jeweils eigenen Projektbereich tragen. Jedes Projekt hat ein eigenes Budget, das geplant und eingehalten wird, und Investitionen die innerhalb des Projektzeitraums zum Return on Invest geführt werden müssen.

Diese Projektarbeiter kennen keine 38-Stunden-Woche, keine geregelte Kaffee- und Mittagspause, keine Hausschuhe im Büro, keine Prämie oder Lohnsteigerung aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit. Im Gegenteil: Sie wechseln ihre Arbeitgeber, wie früher ihre Freundinnen. Oft und schnell.

In einer Trendstudie zu diesem Thema habe ich diesen Wandel schon vor längerer Zeit dargelegt. http://www.2bahead.com/trendanalysen/trendanalyse/detail/trendanalyse-patchworkidentitaeten-2020-jobnomaden-und-projektarbeit/

Konsequenz ist ein Kulturwandel in den Unternehmen. Während heute diese Projektarbeiter und ihre Arbeitsweise noch in der Minderheit sind, wird die weitgehende Flexibilisierung der Arbeitszeit künftig zu Standard. Treibende Kraft der Projektarbeiter ist nicht der sichere Arbeitsplatz sondern immer neue Heraus-forderung und die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten. Dabei wird sich die Grenze zwischen Familien-Cocon  und Company-Cocon weiter auflösen. Die Kinder können beispielsweise mit in die Firma kommen. Sie gehen in die "Company International School".

Bedrängt werden durch diesen Trend klassische Arbeitgeber/Arbeitnehmer-Machtstrukturen aber auch klassische Vorstellungen der Personalentwicklung in HR-Abteilungen. Wie viel Aus- und Weiterbildungsinvestition lohnt sich für Unternehmen, wenn die Jobnomaden sowieso bald wieder weg sind? Wie behalten Unternehmen das Wissen der Projektarbeiter im Unternehmen, auch wenn diese weitergezogen sind? Und wie sorgen Unternehmen dafür, dass hervorragende Experten nach einer "Außenrunde" wieder zurück kommen?

Neu ins Spiel kommen deshalb Strategien des "After Employment Marketings". Bildlich gesprochen wird es im Jahr 2020 die Aufgabe der Unternehmen sein, als Magnet für freie Radikale zu wirken. Eine der wesentlichen Strategien wird sein, diese "freien Radikale" anzuziehen und strategisch wieder abzustoßen. So ungewöhnlich das klingen mag: Das Unternehmen der Zukunft wird seine besten Mitarbeiter magnetartig gezielt abstoßen. Es wird dafür sorgen, dass Jobnomaden eine neue Aufgabe außerhalb erhalten, dass sie gehen wenn es gerade "am Schönsten" ist. Denn damit ist die Chance der Rückkehr am wahrscheinlichsten. Die HR-Abteilungen der Zukunft werden ein neues Sensorium dafür entwickeln, wann ihre besten Projektarbeiter abgestoßen werden sollten.

Platz 3: Videoverleih (46%)

Der Weg zur nächsten Videothek ist weit. Viel näher liegt uns der Klick ins Internet. Per Streaming oder Download lassen sich Film auf Online-Video-Portalen direkt beziehen. Die Zahlung erfolgt unkompliziert via Micropayment und das Angebot, zumindest der Bezahlanbieter, ist bereits heute annähernd gleichwertig. Dass der Markt mit Online-Programm zum Abruf im Film- und TV-Segment boomt, belegt u.a. das Interesse von Google, die künftig über ihr Videoportal Youtube Blockbuster streamen und mit Google-TV Fernseh- und Internet-Inhalte nahtlos zusammenführen wollen.

Branchenvoreiter Apple hält ebenfalls längst auf iTunes zahlreiche Serien und Filme gegen Gebühr zum Abruf bereit. Bekanntestes Beispiel für ein Modell, das in den USA enorme Nutzerzahlen generiert: das Videoportal Hulu, eine Internetplattform mit bislang noch kostenlosem Video-on-Demand-Service ohne Registrierungspflicht. Auch Pro Sieben Sat.1 und RTL arbeiten an einer offenen technischen Plattform für den zeitversetzten Abruf ihrer TV-Inhalte im Internet. Schnelle Netzverbindungen sowie die Möglichkeit fast unbegrenzt Daten auf Festplatten zu sichern, liefern die Grundlage für diesen Trend, der sich in Zukunft noch verstärken wird.

Bisher übliche haptische, nur einmal bespielbare Datenspeicher verlieren in dieser Hinsicht ihre Berechtigung. Damit verliert der stationäre DVD- bzw. Blu-ray Verleih sein Geschäftsmodell. Künftig werden wir unsere Inhalte nur noch digital beziehen und bedarfsgerecht abrechnen...dabei kontrollieren Digital Rights Management-Systeme die Nutzung der Daten. Bereits in der vergangenen Trendanalyse hatten 68 % der Umfrage-Teilnehmer das Verschwinden von CDs und DVDs prognostiziert. Ein annähernd großer Teil sieht auch den klassischen Video-Verleih verschwinden.

Konsequenz ist nicht nur das Verschwinden des Videoverleihs sondern allgemein das schrittweise Verschwinden klassischer Datenträger. Die Haptik als letztes verbliebenes Notargument hat ausgedient. Sie ist unnötig und unsinnig. Aber zugleich taucht die Frage auf, unsere gewohnten Umgangsformen unseres Identitätsmanagements weiterhin befriedigt werden können: Das Zeigen und Teilen, das Speichern und Wegwerfen. Denn die Inhalte der verschwindenden CDs, DVDs, Blu-rays und Softwareboxen sind für die Nutzer nicht nur digitale Daten. Sondern es sind Tools zum Identitätsmanagement, Werkzeuge mit denen wir unseren Freunden, Nachbarn und Familien (Communities) zeigen, dass wir besonders clever, modern, öko, reich, sensibel, romantisch...etc. sind. Dies ist der wahre Wert der Haptik. Eine Entsprechung für digitale Daten wird in den kommenden Jahren erst entwickelt werden müssen.

Bedrängt werden durch diesen Trend: Videoverleiher, Hersteller von CDs/DVDs, Presswerke, Hersteller von CD-Hüllen, Zulieferer entsprechender Laufwerke, entsprechende Abteilungen in Fachmärkten und im Handel.

Neu ins Spiel kommen: Onlineshops, Remote-Services, Payment und Micropayment-Services

Platz 4: Ladenschluss & Feierabend (42%)

Die Ladenschlusszeiten verschieben sich weiter. Derzeit untersucht Supermarktbetreiber REWE in rund 60 deutschen Märkten bis zum Jahresende eine Öffnungszeit bis 24 Uhr. Das sei der Veränderung des heutigen Lebensstil und der zunehmend steigenden Anzahl von Single-Haushalten in den Ballungszentren geschuldet. Während der Ladenschluss hierzulande, in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich, aber einheitlich sehr stringent gesetzlich geregelt ist, kommen andere Staaten wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien gänzlich ohne Regelung aus. Dort richten sich die Öffnungszeiten ausschließlich nach dem Bedarf der Kunden sowie wirtschaftlichen Erwägungen der Unternehmen.

Zudem sind wir durch das Online-Geschäft auch hierzulande schon daran gewöhnt, rund um die Uhr einzukaufen. Mittlerweile lassen sich sogar Lebensmittel u. a. via Amazon per Lieferservice zu jeder Tageszeit anfordern. Die Anpassung an diese neuen Lebensrealitäten kann über kurz oder lang auch der Grund für eine Abschaffung des Ladenschlussgesetzes in Deutschland sein...daran glauben 42% aller Umfrageteilnehmer.

Konsequenz ist, dass der Premiummarkt des Spätverkaufs zusammenbricht. Die Preise für nachts gekaufte Produkte werden sinken. Vor allem aber gibt es weitere Auflösungserscheinungen in den tradierten Lebens- und Tagesablaufzyklen des verblassenden Industriezeitalters. Ein klassischer 8-Stunden-Arbeitstag wird für eine Masse der Menschen ebenso von gestern sein, wie die Idee eines Feierabends, also die klassische Trennung von Arbeit und Privatheit. Wir rechnen damit, dass 2020 nur noch 30-40% der arbeitenden Menschen in der klassischen Langzeit-Festanstellung arbeiten. 60-70% arbeiten in flexibleren Beschäftigungen. Nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen!

Bedrängt werden durch diesen Trend vor allem jene Anbieter, die eine höhere Marge ihrer Produkte damit begründen, dass andere Verkaufsstellen nicht mehr geöffnet haben: Spätverkaufsstellen, Tankstellen-Shops und Bahnhöfe.

Neu ins Spiel kommen neue Jobs im Niedriglohnbereich.

Platz 5: Klassische Reisebüros (34%)

Wie haben Sie Ihren letzten Flug oder Ihre letzte Reise gebucht? Wahrscheinlich via Internet. Inzwischen wird jede vierte Reise über das Netz gebucht. Tendenz steigend. Die Informationen über Reiseziele stammen zu einem noch weitaus größeren Teil aus dem World Wide Web. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung des klassischen Reisebüros künftig stark abnehmen. Das liegt insbesondere am immensen Preisunterschieden, der zwischen den Angeboten im Reisebüro und im Internet bestehen. Kein Wunder: Übliche Reisebüros  greifen auf höchstens 12 bis 15 Urlaubsanbieter zurück.

Statt als reine Anlaufstelle für große Reiseveranstalter zu fungieren werden sich die Reisebüros künftig als professioneller Filterservice für die Informationsflut des Internets positionieren müssen. Personalisierte Angebotserstellungen für Individualkunden stehen dabei ebenso im Fokus wie eine Anpassung an eine älter werdende Gesellschaft.

Konsequenz ist die Teilung des bisherigen Marktes für Reisebüros. Das Massengeschäft wandert ins Internet ab und bringt dort mit Targeting, Recommendation und Prognostik-Algorithmen einen Individualisierungsgrad der Angebote, den heutige Reisebüros in ihrer händischen Tätigkeit niemals erreichen können. Aus dem klassischen Reisebüromarkt wird ein kleiner, feiner und sehr teurer Premiummarkt, der daraus besteht, hochindividuelle Reisen für eine kleine kaufstarke Kundengruppe zusammenzustellen und diese ggf. dabei zu begleiten.

Bedrängt werden durch diesen Trend alle Reisebüros, die keine Spezialisierung aufweisen.

Neu ins Spiel kommen einerseits Unternehmen aus dem IT-Sektor, die keinerlei "Reise"-Expertise haben, aber die Targeting/Recommendation/Prognostik-Software zur Verfügung stellen. Andererseits kommen Coaches und Reiseführer ins Spiel, die über Medien und Internet eine hohe Popularität aufbauen, und zu den Gewinnern des entstehenden, neuen Premium-segmentes werden.

Platz 6: Fester Renteneintritt (37%)

In Deutschland kommt die Rente mit 67. Zwischen 2012 und 2029 wird das Renteneintrittsalter stufenweise von derzeit 65 Jahren angehoben. So ist der Plan der Politik, um den sich Parteifunktionäre und Lobbyisten einen scheinbar erbitterten Kampf liefern. Aus Sicht der Trendforschung ist das ein Scheinkampf, mit dem die Akteure allenfalls ihre heutigen Pfründe und Gehälter sichern, aber kaum etwas zur Gestaltung der Zukunft beitragen.

Durch die demografische Entwicklung wird es eine immer größere Gruppe von Älteren geben, die weiterhin am Erwerbsleben teilnimmt. Auswirkungen davon sehen wir bereits aktuell in den Statistiken. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts besagen, dass sich die Zahl der Arbeitnehmer über 60 Jahre in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt hat. Gründe hat dies zum einen wohl im Strukturwandel, d.h. die gesundheitlichen Anforderungen sind in vielen Berufen inzwischen weniger ausgeprägt.

Als Zukunftsprognose habe Ihnen schon vor einiger Zeit die Entstehung einer neuen Generation 60/90 prognostiziert. Die Alterung der Gesellschaft bedeutet demnach, dass unsere Lebenserwartung rasant pro Jahr um rund 1/4 Jahr ansteigt, wobei sich die immobile Pflegephase am Lebensende nicht in dieser Weise ausdehnt. Dies führt zur Prognose, dass wir im Jahr 2020 mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 90 Jahren rechnen können, Tendenz weiter steigend! Dies bedeutet zugleich, dass die meisten von uns bis ins Alter von weit über 80 ein sehr aktives und mobiles Leben führen werden.

Wer 1 und 1 zusammenzählt wird erkennen, dass durch diesen Wandel in den kommenden zehn Jahren eine neue Lebensphase zwischen 60 und 80 Jahren (später 60-90) entsteht, die wir bis heute noch nicht kennen. Die volle Dimension dieser Veränderung werden wir erst begreifen, wenn wir sie in unserem eigenen Leben, an unseren Eltern und Großeltern spüren. Dann werden wir uns im Alter zwischen 50-60 bewusst werden, dass ein sehr aktives Drittel unseres Lebens noch vor uns liegt. Wer will 30 Jahre Urlaub machen?

Die Folge ist, dass Menschen zwischen 50-60 nochmals einen Neustart in ihrem Leben machen: Neuer Job, neues Heim, neue Beziehung?! Kurz gesagt: Wir werden nach 67 weiter arbeiten wollen! Nicht 'müssen'!

In vielen Fällen wird dies entsprechend zu einer Verschiebung des realen Renteneintritts nach oben führen, wie 37 % aller Teilnehmer meinen.

Vgl.: http://www.2bahead.com/trendanalysen/trendanalyse/detail/trendanalyse-demografischer-wandel-silver-ager-oder-die-neue-generation-6090/

Konsequenz ist eine Neusortierung der Geschäftsmodelle in vielen Branchen, denn eine neue Lebensphase braucht neue Angebote, insbesondere, wenn ihr ein 'Neustart' vorausgeht, d.h. bisherige Lebensgewohnheiten abgelegt werden und durch neue ersetzt werden. Zugleich verändert sich aber auch unsere Arbeits-welt dramatisch. Die neue Qualität der Projektarbeit (siehe oben) bezieht auch Menschen zwischen 65-80 aktiv und flexibel ein.

Bedrängt werden durch diesen Trend zum Teil jene Anbieter, die bereits heute einen großen Teil ihres Geschäftes mit dem "Zeitvertreib" der über 65 Jährigen machen. Darunter sind Reiseanbieter aber auch zahlreiche Anbieter des Gesundheitssektors.

Neu ins Spiel kommen Serviceanbieter, die die Koordination der projektbezogenen Tätigkeit der über 65 Jährigen in die Projekte der großen Unternehmen übernehmen. Neu ins Spiel kommen zudem Anbieter, die das bewusste Downsizing oder Aussteigen von 50-60 jährigen Managern übernehmen. Auf der anderen Seite werden sich auch Unternehmensgründungen von 50-60 Jährigen Managern häufen, die nochmal etwas 'Richtiges' machen wollen und der Welt etwas 'Gutes' hinterlassen wollen.

Welche Geschäftsmodelle bis 2020 auch verschwinden

In der oben genannten Aufstellung sind alle Geschäftsmodelle und Prozesse beschrieben, von denen mehr als 33% der Umfrageteilnehmer glauben, dass sie bis zum Jahr 2020 verschwunden sein werden.

Zudem wurden in der Trendumfrage weitere benannt, die aber eine geringere Zustimmung als 33% erhielten. Dies sind:

Heutige Kaufhäuser (24%)
Neubauten mit Barrieren (23 %)
CD  (22 %)
klassische Festanstellung (18 %)
Hartz IV (15 %)
Versicherungsvertreter (11 %)
zentrale Energieversorgung (10 %)
feste Arbeitsplätze im Büro o. Produktion (9 %)
Musik besitzen (9 %)
Mittelstand (8 %)
Innereuropäische Billigflüge (7 %)
Schule im klassischen Sinn (7 %)
Landarzt (6 %)
Steuerschlupflöcher (5 %)
klassischer Verkäufer (3 %)
die heutige Gesellschaftsform (3 %)
Einparken (2 %)
Pauschalreisen (2 %)
feste Buslinien (2 %)
Zahntechniker (1 %)
Junkfood (1 %)


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